Was würde dir fehlen?

Durch die Arbeit bei SOS-Kinderdorf lernt man immer wieder beeindruckende junge Menschen kennen, die trotz ihrer schwierigen Situation voller Fantasie und jugendlicher Hoffnung bleiben.

Eine davon ist Yasmin. Yasmin ist 16 Jahre alt und ist vor eineinhalb Jahren ohne ihre Eltern nach Österreich gekommen. Ich treffe sie im  BIWAK, einer Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge von SOS-Kinderdorf, wo Yasmin seit etwa einem Jahr lebt.

Sie erzählt mir, dass das Leben in Österreich gar nicht so anders ist, als das Leben im Iran. Sie geht in die Schule, ins Kino und trifft sich mit Freundinnen. Nur eines ist anders: ihre Familie ist nicht da. „Ich vermisse sie sehr, aber wir telefonieren jeden Tag“, so Yasmin.

Flucht in die Freiheit

Der Iran zählt nicht zu den Hauptherkunftsländern von Flüchtlingen in Österreich. Und doch sind immer wieder Menschen aus diesem Land in den Flüchtlingsheimen, und auch in den Angeboten von SOS-Kinderdorf  hierzulande zu finden. Häufiger Grund? Sie möchten um politisches Asyl ansuchen. Viele Iranische Flüchtlinge teilen eine ähnliche Geschichte: Sie fliehen über die grünen Grenzen der Islamischen Republik, ständig in Angst, dass Angehörige daheim dafür büßen müssen. Nur eins ist sicher: In den Iran führt kein Weg zurück, vermutlich für lange, lange Zeit.

Warum Yasmin aus dem Iran geflüchtet ist, frage ich nicht. Ich kenne sie erst seit wenigen Minuten und empfinde diese Frage als zu persönlich. Yasmin ist ein offenes, freundliches junges Mädchen, doch man merkt, dass sie etwas auf dem Herzen hat. Dann denke ich daran, wie es mir wohl gehen würde, wenn ich von meiner Familie getrennt wäre. Teenagerjahre sind nicht leicht, wie ist es wohl, wenn man auf sich allein gestellt ist?

Musikalische Sehnsucht

Noch etwas von Zuhause hat Yasmin vermisst: ihre Geige.
Yasmins Mutter hat ihr das geliebte Instrument aus dem Iran geschickt und seitdem tönen persische Volkslieder und manchmal auch das ein oder andere Stück von Mozart aus Yasmins Zimmer. Ein Stück iranische Heimat in Tirol.

Welches deutsche Wort ihr am besten gefällt, frage ich sie. „Ich weiß nicht.“, lacht Yasmin. „Aber ich weiß, welches Wort ich am schwierigsten finde: „Kommunikation““, sagt sie, ohne mit der Wimper zu zucken.

Yasmin ist toll. Und wir sind glücklich, Menschen wie sie bei uns zu haben.
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